
Radio Rabe Interview Francis Pauchard
The OLMO Story
Am 18.November 1977 eröffnen GUY FROIDEVAUX und ich an der Herrengasse 20 in Bern auf 40m den Kleiderladen OLMO. Dies haben wir ein Jahr zuvor beschlossen. Wir waren überzeugt, Bern brauche eine Boutique, die sich auch den extremen Trends annehmen solle.
Mit 40`000 geliehenen Franken (übrigens für Gestelle, Dekoration, Plastiksack, Kleider, Werbung und eine Kasse) wollen wir unseren Traum verwirklichen.Einer unserer ersten Marken-Einkäufe ist das noch junge Label Pink Flamingo. Die während des Jahres in den Brockenstuben auf dem Land zusammengekauften Secondhand-Kleidern ermöglichen uns mit wenig Geld mehr Ware anzubieten. Guy und ich behalten weiterhin unsere Jobs um unsere Existenzen nicht zu gefährden. Dies bereuen wir nicht, da uns unsere Verkäuferin öfters Tage mit null Franken Umsatz melden muss. Zum Namen OLMO kommen wir durch einen Vorschlag meines BRUDERS GEORGES. Es läuft der Film “Novecento“ von Bernardo Bertolucci, in demGérard Depardieu den jungen Mann “Olmo“ darstellt. Uns gefällt einfach der Name. Er hat für uns keine weitere Bedeutung, ausser dass er sich immer wieder anders darstellen lässt und für das Auge schnell erfassbar ist. Noch im Jahr `77 lassen wir uns von der Frische und Stärke der PUNK anstecken. Endlich finden wir eine Verbindung zwischen der Musik und den Kleidern, die wir unserer jungen Kundschaft anbieten wollen. Jahre später folgen dann der New Wave, Ska (Madness) , der Lumpenlook, die Piraten von Adam & the Ants, die NEW ROMANTICS mit u.a. Visage und Duran Duran, Rockabilly (Straycats) bis zum heutigen HIP HOP und zu vielen mehr. Da zu Beginn kaum etwas im Punk-Stil zu haben ist, mache ich viele T-Shirts selber... ist ja einfach, zerreissen, mit roter Farbebespritzen und mit Sicherheitsnadeln wieder zusammenheften. Dann unser erster Einkauf im Ausland. London natürlich. Das Zentrum für die Trends. Später folgen Paris, Köln und Las Vegas. Wegen der Musik folgen wir im Jahr `78 dem Vorschlag von B.R.O.-Records zu ihnen an den Bubenbergplatz zu ziehen. Können wir doch im Keller gleich noch unseren illegalen Klub “SPEX“ eröffnen. Die kleine Metalltüre rechts führt in unser Reich. Einen langen schmalen Gang hinunter und ab geht die Post. Jeden Samstag. Zusätzlich führen wir im ersten Stock die Galerie AK (Aktuelle Kunst). Kunst, die in keiner “normalen“ Galerie Platz hat. Zudem können wir mit jeder ein Fest starten. Leider hat dies mit der Kündigung ein Ende und wir müssen in einen Keller an der RATHAUSGASSE ziehen. Neben dem Verkauf näht Eva Rox Gnädinger Kleider um die flauen Zeiten zu überbrücken, z.B. eine kleine Jacke und ein Mini in hellblauem Fell. Ihre Kollektion verkaufte sich ganz gut. Im August 1981 ist es so weit, ich kündige meinen Job und gebe mich 200%ig Olmo hin. Zur gleichen Zeit erscheint meine erste Schallplatte mit der Band “Starter“. Die Musik: Elektronik pur und ich singe. Guy sucht eine neue Herausforderung (u.a. Macher der Kulturzentrums Stufenbau) und Eva übernimmt seinen Anteil. Wir zügeln an die NEUENGASSE 24 in den ersten Stock ins Haus des ersten McDonalds. Ein paar Jahre später eröffnen wir im RYFFLIGÄSSCHEN den Laden OPERA um endlich Schuhe und andere ausgefallene Kollektionen ins Sortiment aufzunehmen zu können. Im Januar 1987 zügeln wir zum vierten Mal und richten uns definitiv an der ZEUGHAUSGASSE 20 ein. Endlich 9 Meter Schaufenster! Immer noch voll der Musik verbunden teilen wir die Grosse Ladenfläche mit “Swing“ (heute LOLLYPOP) und wohlwissend, dass zu den besten Klamotten und Schuhen eine passende Frisur gehört, ziehen bei und die Starcoiffeure von OPS DIVINA ein. Als Eva ihr Glück in Los Angeles versuchen will und auch reüssiert, kommt mein Bruder LUC und vor ein paar Jahren GEORGES zu Olmo. Ihnen beiden verdanke ich den neuen Elan und die Begeisterung für diese immer wieder neue Herausforderung.Aber auch jedem und jeder Einzelnen möchte ich hier danken. Festangestellte und Aushilfen, die in den letzen 25 Jahren Olmo mitgeprägt haben. Es ist jedes Glied in er Kette, das zählt um erfolgreich zu sein und es zu bleiben. Auch allen unseren Beziehungen; sind wir doch immer wieder gespannt, was für neue Kollektionen sie kreieren. Im Namen von Olmo möchte ich ebenfalls jedem Kunden danken, denn wir sind uns bewusst, wir können noch so tolle Sachen einkaufen, wenn sie unserer Kundschaft nicht gefallen und sie nicht das Vertrauen in uns haben, können wir alles wieder einpacken. Ein grosser Dank geht an Thom Pfister, er war es, der die Idee zu diesem Heft hatte und die ganze Arbeit dazu leistete. ***Bravo!
PS. Trotz Angeboten wollen wir nie ein zweites Olmo in einer anderen Stadt eröffnen. Wir sind Berner für Berner. Mit “La Luna“ blieb es leider beim Versuch. Doch als der Vorschlag von Levi`s kam, einen Original Levi`s Store zu eröffnen, konnten wir nicht widerstehen. Der steht seit August 1992 in der Von Werdt-Passage 5… in Bern.